Jan
05
2010

Von Häusern und Brücken

Neues Jahr, alte Geschichten: das ‘bunte’ Haus hatte ich hier schon mal in einem kurzen Posting erwähnt, das Ganze war aber so absurd das ich rückblickend doch noch einmal darüber berichten möchte. ReblhausBesonders wenn man die ganze Sache noch mit einem anderen Ereignis verknüpft; da beide zeitlich und räumlich sehr nah beieinander liegen.

Im Frühjahr letzten Jahres ließ der Regensburger Malermeister Rebl eines seiner Häuser vom Künstler Carsten Kruse in kunterbunten Farben bemalen. Neuer BaumarktNicht ganz selbstlos, sondern bestimmt auch um ein wenig Werbung für sein Geschäft zu machen, aber trotzdem eine durchaus sympathische Aktion. Besonders da der Standort des Hauses alles anderes als zu einem der hübschesten Flecken Regensburg zählt. So sind eine vielbefahrene, vierspurige Durchgangsstraße und ein äußerst grauer Zweckbau die nächsten Nachbarn und auch ein gerade an der gleichen Straße neu erbauter Baumarkt hat den Charme einer Bunkeranlage aus den frühen 40er Jahren.

Und auch die Mehrzahl der Regensburger Bürger, nicht unbedingt Menschen mit ultraprogressiven Vorstellungen, fanden das ‘Fleckerlhaus’ als optische Bereicherung. ReblhausGanz anderes dagegen die Regensburger Stadtverwaltung: hätte man vorgeschlagen den Dom rosarot zu streichen der Aufschrei der Empörung hätte wohl nicht größer sein können. Von ‘Verunstaltung’ und ‘Verkehrsgefährdung’, von einer imaginären Sichtachse zur Walhalla und anderen obskuren Dingen wurde da von Städtischer Seite fabuliert. Und auch ein mehr als dubioser Gestaltungsbeirat, den es anscheinend nur in Regensburg gibt und der keinerlei rechtliche Grundlagen hat wurde aus dem Hut gezaubert um dem armen Malermeister das Leben schwer und das ‘bunte’ Haus wieder anständig weiß zu machen.

Und jetzt kommt meiner Meinung noch das ‘Sahnehäubchen’ auf diese Geschichte. Den zur gleiche Zeit, zu der sich in meinen Augen die Stadtamhof Brückegesamte Stadtverwaltung nur noch mit dem Causa Rebl befasste, sah es keine 200 Meter entfernt seit über einem Jahr aus wie kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieg. Dort hatte Anfang 2008 ein anscheinend etwas verwirrter holländischer Binnenschiffer seinen Autoladekran unter einer Brücke hochgefahren und damit zielsicher eine Gasleitung getroffen die sofort in Flammen aufging. Danach sah die Brücke aus als hätte sich gerade die 4. Amerikanische Luftflotte ganz persönlich mit ihr befasst. (Auf dem Foto sieht man rechts oben das Reblhaus um die Entfernung zu verdeutlichen)

Mit dem ‘Ableben’ der Brücke war ein gesamter Regensburger Stadtteil, mit dem Auto, nur noch über eine einzige(!), weit entfernte Brücke zu erreichen und Stadtamhof Brückeder Personennahverkehr (RVV) wurde ‘sicherheitshalber’ auch gleich mit eingestellt. Aber anstatt jetzt alle Hebel und Mittel in Bewegung zu setzen um diesen Schandfleck und wirkliches Verkehrshindernis zu beseitigen, wurde in diesem Fall erst einmal überhaupt nichts unternommen, mit so glaubhaften Aussagen wie ungeklärte Versicherungsfragen und notwendigen Europäischen Ausschreibungen. Wäre der Wiederaufbau nach dem Krieg mit dem gleichen Tempo vorangegangen, wir säßen alle noch in einem Trümmermeer.

Das ‘bunte’ Haus darf anscheinend nach über einem halben Jahr Streiterei bleiben, wann Stadtamhof wieder eine Brücke bekommt steht weiterhin in den Sternen.



Written by MaS in: Kultur, Politik, Regional | Schlagwörter:, , ,

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